Wasseramsel
Cinclus cinclus
Familie:
Wasseramseln
erloschenes Brutvorkommen
Merkmale
In der Gestalt ähnlich dem Zaunkönig, mit gedrungenem Körper, kurzen, gerundeten Flügeln und auch kurzem, aufgestelltem Schwanz. Mit 18 cm Länge etwa starengroß, kräftige lange Beine. Dunkelbraun bis schwarzbraun mit weißem Brustlatz. Die Jungvögel sind bis zue Herbstmauser mehr braungrau mit dunkler Rücken- und hellerer Bauchseite und verwaschen gefleckt. Wasseramseln fliegen mit schnurrendem Flug dicht über dem Wasser und folgen dabei allen Biegungen des Bachlaufes. Im Fluge rufen sie häufig "zrrrb", sonst kurz "zit".

Lebensraum
Bäche und schnellfließende Flüsse mit kaltem Wasser und kiesigem Grund, gern mit eingestreuten Felsbrocken und bewaldeten Ufern. Mit solchen Ansprüchen fehlt die Wasseramsel in den Niederungen, sonst ist sie in vielen Rassen weit nach Asien hinein verbreitet. In Mitteleuropa hat die Wasseramsel viele Brutplätze durch Bachverbauungen verloren. Sie ist kältefest; im Gebirge und in Nordeuropa geht sie bis über die Baumgrenze. Solange in ihrem Lebensraum offens Wasser fließt, bleibt sie Standvogel. Sie schlüpft sogar durch Löcher in der Eisdecke, wenn sich darunter durch fallenden Wasserstand Lufträume gebildet haben, und jagt in diesen "Glashäusern" weiter. In Sibirien harrt sie noch bei minus 40 Grad im Brutgebiet aus. Nur wenn die Gewässer völlig zufrieren, muss sie verstreichen.

Fortpflanzung
Im Bach erstirbt das Insektenleben auch im Winter nicht, deshalb kann die Wasseramsel früh im Jahr mit der Brut beginnen. An sonnigen Tagen hört man schon mitten im Winter ihr schwätzendes, etwas an den Wirbel des Zaunkönigs erinnerndes Lied. Das Männchen beginnt ab Februar mit dem Nestbau und weist sich so als Revierinhaber aus. Hat sich ein Weibchen eingefunden, so bauen beide weiter. Das Männchen bringt Nistmaterial - Moos für die Außenwand und Weidenblätter für den Innenausbau -, das Weibchen baut. Das sehr große Kugelnest weist einen seitlichen Eingang auf. Es liegt stets dicht am Wasser in einer Halbhöhle oder einem dunklen Winkel, etwa zwischen unterspülten Wurzeln, in Felsspalten, in Erdabbrüchen, unter Brücken, manchmal auch unter einem Wasserfall, so dass die Vögel durch das stürzende Wasser zu ihrem Nest fliegen müssen. An begradigten Bächen finden die Wasseramseln meist keinen Nestplatz mehr. Man hilft ihr, indem man unter Brücken halboffene Nistkästen an der höchsten und dunkelsten Stelle aufhängt.
Nur das Weibchen brütet auf den 4 bis 6 weißen Eiern. Brutzeit März bis Juni, im Norden eine, im Süden zwei Bruten je Jahr. Während der Brutzeit hält sich das Männchen in Nestnähe auf und meldet sich häufig mit Gesang, verstummt aber, sobald die Jungen geschlüpft sind. Die Brutdauer beträgt etwa 16 Tage, die Nestlingsdauer 19 bis 25 Tage. Schachtelbruten, bei denen ein partner die Jungen versorgt und der andere auf dem nächsten Gelege brütet, kommen vor. Wenn die Jungen ausfliegen, können sie sofort schwimmen und tauchen.

Nahrung
Wasserinsekten. Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel, den man als echten Wasservogel bezeichnen kann: Sein Federkleid ist besonders dicht, seine Bürzeldrüse besonders groß, Nasenlöcher und Ohröffnung sind verschließbar, seine Augen flach wie eine Taucherbrille, so dass sie über und unter Wasser zum Sehen taugen. Wasseramseln laufen bei der Nahrungssuche häufig am Gewässergrund, sie schwimmen unter Wasser mit dem Schlag ihrer Flügel, sie drehen kleine Steine am Grunde um und schieben größere beiseite. Die einzelnen "Tauchgänge" der Wasseramsel dauern zwar meist nur Sekunden, aber da der lebhafte Vogel sich von früh bis spät am Wasser herumtreibt, so kann er insgesamt doch Stunden im Wasser verbringen.

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